© Brot und Foto aus unserer hauseigenen i-shop@Back-Werkstatt

Mein eigenes Brot # 01 — kinderleicht

Am Anfang stand die Bewunderung für ein leckeres warmes duftendes Drei-Pfund-Brot mit knuspriger Kruste und saftiger luftiger Krume. Und — obwohl es nur 78 Pfennige kostete — war es einfach nicht zu fassen, wie glücklich schon der Gedanke an den Erwerb eines solchen Prachtstücks machte.

An unauffälliger Stelle — aufgeplatzte Kruste, sah sowieso irgendwie defekt/kaputt aus — wurde jedes Mal die Qualität direkt im Kindermund abgeschmeckt. Schmeckt. Ganz dolle. Lecker. Mehr. Und daraus wurde dann regelmäßig ein deutlich sichtbares großes Loch im Brot. Auweia.

Der Bäcker wollte nicht zwangsweise — mit seinem Geschäft und sich selbst — in die PGH „Brot & Backwaren“ eintreten und dort am Fließband den Sozialismus und den Frieden sichern. Trat statt dessen, dann aber aus Altersgründen etwas später ganz ab. Die Bäckerei wurde nicht weitergeführt. Das Wissen und Können des Meisters verschwand spurlos mit ihm. Meine Kindheit auch. Das war ein bedeutender Schock.

Das PGH-Brot machte zwar satt, aber niemals wieder glücklich. Eine neue Zeit war angebrochen. 1971 — die Zeit des real existierenden sozialistischen Brotes. Dieses Brot war — frisch gebacken — so gut und billig, dass es sogar als Futter für echte Schweine im Trabbi abtransportiert wurde. Denn es war wirklich billiger als das Schweine-Futtermittel selbst.

Dieser politisch gewollte Preis — von der Partei- und Staatsführung verordnet — machte aus einem wertvollen Lebensmittel ein Schweinefutter. Und das schon bevor das Brot alt und hart war. Die Wertschätzung für den Fleiß von Bauer, Bäcker und Natur war dabei ebenso auf dem Niveau von 78 Pfennig angekommen.

 

„Nur Frisöre durften für einen Trocken-Haarschnitt — am Arbeiter und/oder Bauern ungewaschen angefertigt — eine ganze Mark einnehmen. Toll. Bis heute ist die Wertschätzung der Frisör-Dienstleister auf dem Niveau von einer Mark der DDR pro Haarschnitt stehengeblieben. Aber das ist ein anderes Buch.“

 

Es war ebenso ein politischer Richtpreis (Preisbindung) als Werbung für richtiges Wirtschaften im Sozialismus. Das Argument: „Seit Kriegsende haben sich die Preise für Miete, Brot und Frisör nicht erhöht! Es lebe die Partei!“ Das wurde auf jeder SED-Zusammenrottung mehrmals betont. Und ständig bis zum Erbrechen/Ohrensausen nachgeplappert. Die haben es voll vergeigt, äh — versaut. Siehe oben.

Die Zeit wiederholt sich nicht

Oder doch? Heute sind wieder die kleinen engagierten Backstuben bedroht und/oder geben auf. Die aufblasbaren Billig-Backwaren liegen zwar schwer im Magen, doch sie machen satt. Für kurze Zeit jedenfalls, sagt man. Und weil diese reich an Inhaltsstoffen sind — welche das genau sind und was die so machen, wissen auch die „Auf“-Bäcker nicht — halten diese Teile auch bis zu einer Stunde nach dem Aufbacken ihre künstliche Fassade aufrecht.

„Wir backen täglich mehrmals für Sie auf!“ steht am Geschäft. Das müssen die auch. Wenigstens in diesem Punkt ehrlich. Der Kunde ist plötzlich hungrig und will schnelle Besserung. Das passt.

Ist jetzt das DDR-Brötchen ohne Zusatzstoffe — die sich DDR-Bäcker nicht leisten konnten — nun doch der Vorläufer der Bio-Brötchen? Das Bio-Urbrötchen überhaupt? Die Schweine haben wohl auch diese letzten Beweismittel längst vernascht. Oder ist da etwa noch ein Analyse-Ost-Brötchen unter Erich Honeckers Grabbeigabe zu finden? Eher unwahrscheinlich.
 

brotistmehr
 

Im nächsten Absatz schreibe ich hier noch über drei Schlüsselerlebnisse, weshalb ich kein Brot mehr kaufe. Auch kein Bio-Brot. Das Vertrauen ist futsch. Die Wut — über ekelhafte Zustände — machte der Fantasie, dem Tatendrang und der Selbsthilfe Platz. Und das ist gut so.

Nikotin im Bio-Brot?

Seit Jahren leide ich an der selbstverständlichen Vergiftung unseres Brotes. Nein, dieses Mal ist hier nicht der Bäcker mit der „Spezial-Super-Toll“-Backmischung gemeint. Es ist der Weg ins Verkaufsregal, das Aufbewahren im selbigen und der Umgang mit einem wichtigen Lebensmittel.

# 01

Der Fahrer eines Brotautos raucht pausen- und gedankenlos während der Auslieferung. Das Brot steht auf dem Boden und/oder der Laderampe, während der Lieferung an die Verkaufsfiliale auch den Tauben, Mäusen zur Verfügung. Ja selbst den Liefertermin kennen die genau. Unglaublich? Aber wahr. Seit Jahren beobachte ich das mit Ekel. Schon vor eintreffen der Brotautos sind Schwärme von Tauben zur Fütterung angereist. Es fehlen nur noch diese lustigen Äffchen aus dem Fernsehen, die dort den Touristen auf den Leib rücken. Dann geht’s richtig ab.

# 02

Eine Bio-Bäckerei-Verkaufsstelle hat vor dem Geschäft Tische und Stühle aufgestellt. Die Kunden (und gerne auch das Personal) genießen Bio-Gebäck und Bio-Kaffe und Zigaretten — „ist doch normal, machen alle so“. Der giftige Rauch sucht sich kontinuierlich seinen Weg über alle Backwaren. Ganztägig. Dieses Aroma gibt es gratis für jeden Kunden dazu. Auf den Werbe- und Verkaufs-Tüten der Filiale steht aber nur Bio. Zigaretten- und Autoabgas-Gifte gibt es also gratis dazu. Ohne Worte. „Bio-PLUS“ sozusagen.

# 03

Irgendwie ist mir jetzt gerade übel. Gleichzeitig denke ich auch ständig an den pervertierten Umgang mit Lebensmitteln allerart, überall, welt- und deutschlandweit:

Schweinegrippe; Rinderwahnsinn; Vogelgrippe; Frostschutzmittel im Wein; Analogkäse; Gammelfleisch; Killer-Sprossenkeime; gepanschte tötliche Babymilch; Kerosin über der „Grünen Soße“; Sommersalmonellen; Dauerheißmachen in der Kantine; subventionierte Viehtransporte bis Afrika über Griechenland und zurück; die Sache mit der billigen Trockenmilch und Hühnchenteile (ohne Kühlkette) für Afrika ist ebenso ein Problem. Da helfen auch keine Hektoliter/Tonnen an Medikamenten weiter.

Und ich hoffe sehr, dass wenigstens die ausgebauten Brustimplantate, mit der Serien-Nummer „Sommer 2012“, nicht im Nahrungsmittel-Kreislauf auftauchen.

Die legalen Medikamente und illegalen Drogen aus der Muckibude sind ja allgemein schon im Wasserkreislauf angekommen. Mit jeder Klospülung etwas mehr. Malzeit! Und nach der Darmentleerung des Hundes, im öffentlichen Raum, noch schnell ein paar Brötchen aus der Selbstbedienungsklappe nehmen? Keine Zange da? Kein Problem. Aber vorher noch gründlich Testen, ob auch alle „frisch“ sind. Mit der Hunde-Pflege-Hand geht das doch — auch ohne Zange — prima.

Komm mit auf die Brot-Selber-Machen/Essen-Reise

 

„Das Ergebnis ist alltagstauglich und erinnert, einmal in der Woche, an meinen Kindheits-Lieblings-Bäcker. Toller Duft. Schöne Erinnerungen und Gefühle. Leckere Kruste — so viel ich will. Lockere Krume noch dazu. Ich liebe mein Brot. Es geht mir gut.“

 

Kompliziertes wird einfach. Jeder kann Brot backen. Schon mit vier Jahren (Brot ohne zu kneten … #). ← Bemerkung zu diesem externen Link: „Diese Art Brot zu backen, hat aber nichts mit meiner neuen und brutalst vereinfachten Brot-Back-Methode zu tun!“

Es geht nämlich viel einfacher, sicherer und alltagstauglicher.

Dazu braucht es nur wenig Zutaten, wenig Zeit/Aufwand. Weltweit sind fleißige Brot-Selbst-Bäcker am werkeln. Unter sehr einfachen Verhältnissen entstehen — auch jetzt gerade in diesem Moment — sehr gesunde schöne Brote. Und das ganz nebenbei zum Alltag. Ohne Knetorgie, ohne chemische Zusatzstoffe, ohne Fachkauderwelsch aber mit viel Liebe, Fantasie und Freude.

Seit Februar 2011 im Glücksrausch

Das ist mein geschmacklicher Mauerfall. Vierzig Jahre nach meinem Lieblings-Bäcker-Entwöhnungs-Trauma backe ich mein Lieblings-Brot nun immer selbst. Selbsttherapie ohne Krankenschein. Brot gut — alles gut.

Von dem dabei angesammelten Wissen und Können, gebe ich hier gerne ein wenig weiter/ab. Davon handelt dieses — etwas andere — allyoucanstylische Brotback-Seminar. Und davon kann man sich gerne eine Scheibe abschneiden.

 

Wer hier nur ein Brotrezept erwartet, ist noch nicht mit genügend Emotionen und/oder Enttäuschungen aufgeladen, um sich voll und ganz auf dieses Abenteuer einzulassen.
 

Happy Brotkrümel